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Aline Sax: Eine Welt dazwischen

"We two boys together clinging,
One the other never leaving,"
Walt Whitman, We Two Boys Together Clinging


Neulich traf ich eine Kollegin in der S-Bahn, die gerade ein Lesexemplar für die Arbeit las. Das Buch sah nicht spektakulär aus und da ich im Moment eigentlich ganz gut mit Lektüre eingedeckt bin, habe ich zunächst nicht drauf geachtet. Bis sie meinte: "Oh, jetzt hat er sich gerade in einen Jungen verliebt."

Dieser Satz wirkte wie Magie und schon wollte ich mehr wissen und sie versprach mir das Buch für mich beiseite zu legen. Gestern durfte ich es dann mitnehmen und heute habe ich es gelesen.

Die Handlung beginnt in Belgien, Anfang des 20. Jahrhunderts. Adrian und seine Familie lassen ihr ganzes bisheriges Leben hinter sich und brechen auf nach Amerika, wo, wie man sich erzählt, jeder Land bekommt und für jeden genug da ist.

Doch schon auf der Hinreise zeigt sich, dass diese Träume weit von der Realität entfernt sind. Bei den ersten Kontrollen vor der Abreise müssen bereits die Mutter und die jüngste Schwester zurückbleiben, während Adrian, sein Zwillingsbruder Alexander und sein Vater die zehn Tage Überfahrt zusammengepfercht in engen Kabinen verbringen müssen. In Amerika angekommen müssen sie sich weiteren Kontrollen und Tests unterziehen und am Ende darf nur Adrian den amerikanischen Kontinent betreten. Allein, ohne die Sprache zu kennen findet er sich im schwülen, chaotischen New York wieder.



Die niederländische Autorin war gerade 22 als sie diesen Roman geschrieben hat und hat in diesem jungen Alter bereits in Geschichte promoviert (wie der Klappentext des Buches dem Leser mitteilt).

Dementsprechend neugierig habe ich dieses Jugendbuch begonnen und ich wurde nicht enttäuscht. „Eine Welt dazwischen“ ist ein ruhiger, einfach schön zu lesender Roman, der keine übermäßige Effekthascherei und keine großen Dramen braucht. In der ersten Hälfte begleitet man Adrian bei seiner Reise und seinen ersten Wochen in Amerika und erlebt seine Ängste und seine Verunsicherung mit. Dann lernt er Jack kennen, in den er sich verliebt ohne es recht zu begreifen. Er ist verunsichert, schwankt zwischen dem was er gelernt hat und dem was er fühlt und lernt schließlich mit Jack eine neue Welt kennen.

All das erzählt die Autorin angenehm ruhig und einfühlsam. Besonders reizvoll fand die Gedichte von Walt Whitman und Lord Alfred Douglas, die Jack in einem kleinen Büchlein stehen hat und die zum Teil im Buch zitiert und thematisiert werden.

Das Ende kommt schnell, fast ein wenig übereilt und es empfiehlt sich danach die ersten zwei Seiten noch einmal zu lesen um vielleicht zu einer Antwort für sich selbst zu kommen.

Dieses Jugendbuch ist nichts Großes, nichts Weltbewegendes. Es ist angenehm zu lesen und ich finde nichts Gravierendes was ich negativ anmerken könnte. Ein Buchtipp für alle, die auch hin und wieder gerne mal ein Jugendbuch zur Hand nehmen.

Tags: gelesen, m/m

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